Da zurzeit keine politischen Mehrheiten für ein generelles Verbot der Haltung von Wildtieren in Zirkussen zu gewinnen sind, begrüßt der Bundesverband Menschen für Tierrechte die hessische Initiative als eine erste wichtige Etappe auf dem Weg hin zu einem tierlosen Zirkus. Unter Berücksichtigung der vom Agrarausschuss eingebrachten Empfehlungen hat am 17. Oktober 2003 der Bundesrat mehrheitlich Folgendes beschlossen:
Einführung eines Zentralregisters zur Erfassung von Zirkusbetrieben mit Tierhaltung sowie von mobilen Tierschauen.
Nun ist die zuständige Bundesministerin (nach Renate Künast und Horst Seehofer nun Ilse Aigner) aufgefordert, einen entsprechenden Verordnungsentwurf vorzulegen.
Wir begrüßen den Beschluss des Bundesrates grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung, zeigen uns jedoch darüber enttäuscht, dass zum einen ein Verbot der Haltung bestimmter Wildtierarten mit Erlaubnisvorbehalt vorgesehen ist und zum anderen die geforderten festgesetzten Übergangszeiten durch flexibel gestaltete Übergangsregelungen ersetzt wurden.
Position
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte verfolgt langfristig das Ziel, ein Verbot der Tierdressuren und Tierhaltungen in Zirkussen zu erwirken. Wildtiere gehören in ihren natürlichen Lebensraum. Nur dort können sie so leben, wie es ihrer Art entspricht. Es gibt aus ethischer Sicht keine Rechtfertigung, sie zu Zwecken des Gelderwerbs gefangen zu halten, zu dressieren und zum Freizeitvergnügen der Menschen in der Manege vorzuführen. Nachdem der Tierschutz seit August 2002 Verfassungsrang genießt, müssen die Interessen der Tiere bei Gericht ebenso Berücksichtigung finden, wie der Rechtsanspruch des Dompteurs oder Tierlehrers auf Ausübung seines Berufes.
Blick auf Deutschland und in andere EU-Staaten
Dänemark, Finnland, Österreich und Schweden haben schon vor Jahren Haltungsverbote für bestimmte Tierarten beschlossen (z. B. Affen, Elefanten, Großkatzen Robben, Nashörner, Wölfe). Doch in Deutschland dürfen Zirkusse noch immer alle Tierarten mitführen. Es wird lediglich empfohlen, einige Arten nicht in Zirkussen zu halten (u.a. Menschenaffen, Nashörner, Pinguine)
Die Fakten liegen auf der Hand:
1. Dem Bundesverband Menschen für Tierrechte ist kein Zirkus bekannt, der die mitgeführten Tiere ohne jede tier- oder artenschutzrechtliche Beanstandungen hält.
2. Nur wenige Amtstierärzte kontrollieren die Zirkusse umfassend, erteilen Auflagen und verfolgen ihre Umsetzung.
3. Zirkusse erhalten häufig von Amtstierärzten eine Genehmigung zur Haltung der Tiere und zum Betreiben des Zirkusses, obwohl sie tier- und artenschutzrechtliche Bestimmungen nicht einhalten.
4. Nur ausnahmsweise werden Tiere durch die Behörden beschlagnahmt. Eine solche Verfügung erfolgt in der Regel aufgrund eines Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz und eher selten wegen Missachtung tierschutzrechtlicher Vorschriften. Dabei bestätigen Studien, dass aus verhaltenskundlicher Sicht zumindest die Haltung der häufig mitgeführten Wildtiere wie Affen, Bären, Elefanten und Großkatzen, in Zirkussen nicht möglich ist.
5. Die Wegnahme der Tiere gelingt nur in Ausnahmefällen. Sie scheitert bereits daran, dass die Behörden nicht wissen, wo sie das Tier unterbringen sollen. In der Regel ermitteln Tierrechts- und Tierschutzorganisationen solche Auffangplätze und übernehmen die nicht unerheblichen Kosten für Unterbringung und Versorgung. In anderen Fällen entzieht sich der Zirkus dem Zugriff der Behörden etwa durch Abreise mit unbekanntem Ziel oder durch Verschwindenlassen des Tieres. Auch tätliche Angriffe auf Behördenvertreter sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt sind nicht ungewöhnlich, um den Vollzug der Rechtsvorschriften erfolgreich zu vereiteln.
Bitte setzen Sie sich gemeinsam mit dem Bundesverband Menschen für Tierrechte dafür ein, dass nun Bundesministerin Aigner schnellstmöglich die Erarbeitung eines Verordnungsentwurfes auf den Weg bringt.
Wie die Praxis zeigt, ist es den Behörden nicht möglich, die Umsetzung bestehender Haltungsvorgaben sicherzustellen. Die Leidtragenden sind immer die Tiere; lassen Sie uns bitte gemeinsam dafür sorgen, dass die Leidenstragödien der Tiere endgültig der Vergangenheit angehören.